Zeche Zollverein Schacht 3/7/10

Zollverein Schachtanlage 3/7/10. Foto: RIK/ Guntram Walter
Zollverein Schachtanlage 3/7/10. Foto: RIK/ Guntram Walter

Auf einer ebenen Hügelkuppe platziert, ist das restaurierte Fördergerüst über Schacht 10 weithin sichtbar und hält die Erinnerung an Schonnebecks bergbauliche Vergangenheit wach. Sie begann, als sich die untertägigen Abbaubetriebe der Gründungsschachtanlage immer weiter von den beiden Schächten 1 und 2 entfernten. Für die Bergleute bedeutete das, dass sie unter Tage immer weitere Wege zurücklegen mussten, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, und das hieß auch, dass die Förderwege der Kohle länger geworden waren. Gleichzeitig verstärkten sich die Probleme bei der Versorgung mit frischer Luft, Wetter, wie der Bergmann sagt. Ein neuer Schacht im östlichen Grubenfeld, in Schonnebeck, sollte die Probleme lösen.

Wie schon 1847 hatte man zunächst nur einen Schacht geplant, dessen Abteufarbeiten 1880 begannen. Aber die schwierigen Wetterverhältnisse hatte man damit nicht beseitigen können, so dass einige Jahre später der Ausbau zur Doppelschachtanlage erfolgte. Der mit der Planung beauftragte Ingenieur Dreyer entwarf eine klar und übersichtlich gegliederte Schachtanlage. Auf eine besondere architektonische Formensprache verzichtete man und errichtete schlichte, funktionale Bauten. Auch diesmal richtete sich die Standortwahl nach dem Streckenverlauf der Köln-Mindener Eisenbahn. Direkt neben den Gleisanlagen ordnete Dreyer in einer Zeile Schachthalle mit Fördergerüst und Kaue an und gegenüber Werkstätten, Büro und Magazin, Doppelmaschinenförderhaus, Kesselhaus und einen Stall für 40 Pferde. Dazwischen entstand ein breiter Zechenplatz. Diese Struktur wurde beibehalten, als Ende des 19. Jahrhunderts der Wetterschacht 7 (1897-99) und kurz vor dem Ersten Weltkrieg Schacht 10 (1911-13) dazukamen und westlich, bzw. östlich von Schacht 3 abgeteuft wurden, so dass alle auf einer Linie lagen. Eine dritte Zeile entstand jenseits der Bahn, als die Anlage mit Schacht 10 auch eine Kohlenwäsche und Kokerei erhielt.

Kaum war die neue Schachtanlage 1882 in Betrieb, überholte sie bereits mit ihrer jährlichen Fördermenge die Gründungsschächte und trug nicht unerheblich dazu bei, dass Zollverein sich zu einem der größten und bedeutendsten Bergwerke der Region entwickelte. 1890 konnten erstmals über 1 Mio. Tonnen Kohle gefördert werden, 20 Jahre später näherte sich die Zahl der 2 Mio. Neben den Zechen Gewerkschaft Deutscher Kaiser, ab 1901 die größte, und Rheinpreußen nahm Zollverein im Rheinland eine der Spitzenpositionen ein. Nach der Inbetriebnahme des Zentralschachtes XII 1932 nutzten die Bergleute weiterhin Zollverein 3/7/10 zur Anfahrt. Zahlreiche Übertagebauten wurden abgerissen.

Sehenswert ist heute das Fördergerüst über Schacht 10, ein eingeschossiges deutsches Strebengerüst (Bauart Promnitz) in genieteter Fachwerkbauweise mit vier nebeneinander angeordneten Seilscheiben für Doppelförderung. Geliefert hatte es 1913 die Gutehoffnungshütte aus Oberhausen. Die zugehörige Schachthalle ist nicht erhalten. Erhalten geblieben ist dagegen das ehemalige Fördermaschinen- und Umformergebäude, ein Entwurf von dem Architekten Stolze aus den Jahren 1913/20. Pilaster, Gesimse, große Rechteck- und Segmentbogenfenster sowie Schmuckformen aus Kunststein gliedern die Fassaden der dreischiffigen Backsteinhalle, deren Giebel zur Zechenstraße gerichtet sind.

Heute beherbergt sie das Phänomania Erfahrungsfeld, das der Sinneswahrnehmung und -entfaltung gewidmet ist. An über 60 Versuchsstationen können Besucher aller Altersgruppen spielerisch tätig werden und Phänomene selbst erzeugen und beobachten. Darüber hinaus lässt eine Ausstellung rund 80 naturgesetzliche Phänomene anschaulich werden. Ziel des Künstlers und Pädagogen Hugo Kückelhaus, der das Phänomania Erfahrungsfeld entwickelte, war es, die menschlichen Sinne nicht verkümmern zu lassen, sondern sie mit physikalischen und physiologischen Regeln in Verbindung zu bringen. 1967 präsentierte er die Erfahrungswelt erstmals auf der Weltausstellung in Montreal. Danach wurde sie an über 60 Orten im In- und Ausland gezeigt, bevor Kückelhaus sie 1996 in seine Heimatstadt brachte und endgültig in der Schonnebecker Maschinenhalle installierte.

In den übrigen erhaltenen Gebäuden befindet sich das Café Zollverein, ein Integrationsprojekt der Gemeinnützigen Gesellschaft Erfahrungsfeld in Zusammenarbeit mit dem Behindertenreferat des Evangelischen Stadtkirchenverbandes Essen sowie den Christophorus-Werkstätten.  

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Kontakt & Infos

Zollverein Schachtanlage 3/7/10
Am Handwerkerpark
45309 Essen-Schonnebeck

Phänomania Erfahrungsfeld
Dauerausstellung (nach Hugo Kückelhaus)
Am Handwerkerpark 8 - 10
45309 Essen-Schonnebeck
Fon 02 01 | 30 10 30
www.erfahrungsfeld.de/essen/ 

Führungen
Führung durch das Erfahrungsfeld mit Begehung des Förderturms Schacht 10, So 16 Uhr

Backen wie Robinson Crusoe - An einer Feuerstelle Fladenbrot backen,
jeden Sonntag 14 Uhr, Anmeldung erforderlich 

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 107 bis "Abzweig Katernberg", dann mit Bus 348 bis "Huestraße" 

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