Gedenktafel Humboldtstraße
An der Einmündung Regenbogenweg befindet sich auf der rechten Seite der Humboldtstraße auf dem Gehsteig eine kleine Gedenktafel. Sie weist darauf hin, daß dort, wo heute Wohnhäuser stehen, von August 1944 bis März 1945 eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald "SS-Arbeitskommando Fried. Krupp, Essen" bestanden hat. In ihm waren 520 jüdische Frauen aus Ungarn untergebracht, die für die Fa. Krupp Zwangsarbeit verrichten mußten.
Im Zuge der Verschlechterung der militärischen und kriegswirtschaftlichen Lage des Deutschen Reiches nahm die Arbeitskräfteknappheit in der deutschen Rüstungsindustrie gegen Ende des Krieges erheblich zu. Nachdem das Potential an ausländischen Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen fast erschöpft war, forderte die deutsche Großindustrie seit April 1944 von der SS zusätzlich KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte an. So bemühte sich auch die Fa. Krupp um die Zuteilung von 2.000 männlichen KZ-Häftlingen, bekam jedoch "nur" 520 jüdische Frauen für den Arbeitseinsatz zur Verfügung gestellt. Diese hatte man zuvor von Ungarn aus in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt. Dort vermochten sie allein durch die Zuteilung zum "Arbeitseinsatz" dem Gastod zu entgehen.
Die 520 Frauen, meist sehr junge Mädchen, mußten - abgesondert von deutschen und ausländischen Arbeitskräften - Schwerststarbeit leisten. Sie wurden im Walzwerk II und in der Elektrodenwerkstatt der Firma Krupp eingesetzt, die am anderen Ende der Stadt gelegen waren, so daß die Frauen lange Fußwege vor und nach der langen Arbeitszeit zurücklegen mußten. Nachdem das Lager Humboldtstraße-Süd am 23./24. Oktober 1944 durch Bombenangriffe fast vollständig zerstört wurde, verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Häftlinge noch einmal erheblich. Die dürftige Verpflegung wurde gekürzt, als Schlafplatz diente der nackte Zement.
Angesichts des Vormarsches der Alliierten löst man das Lager am 17. März 1945 endgültig auf und transportierte die Gefangenen in das KZ-Buchenwald ab. Später wurde der Gefangenentransport nach Bergen-Belsen umgeleitet. Durch den beherzten Einsatz einiger Krupp-Mitarbeiter und anderer Essener Bürger gelang sechs Frauen kurz vor dem Abtransport die Flucht; sie konnten bis zum Einrücken amerikanischer Truppen am 11. April 1945 versteckt werden. Diejenigen Frauen aus dem Essener Arbeitslager, welche die Befreiung des Lagers Bergen-Belsen durch die Engländer am 15. April 1945 noch erlebten, wurden vom Roten Kreuz nach Schweden gebracht. Sie wanderten später zumeist nach Israel und in die USA aus, nur wenige kehrten nach Ungarn zurück.