Margarethenhöhe
Wohl eine der bekanntesten Siedlungen im Ruhrgebiet ist die Margarethenhöhe im Essener Süden. Sie gilt als Paradebeispiel der deutschen Gartenstadt. Die Margarethenhöhe unterschied sich auch in ihrer Anwohnerschaft von anderen Krupp-Siedlungen. Sie stand nicht nur Kruppianern offen, die nur gut die Hälfte der Bewohner ausmachten. Die Einheit von Arbeitsplatz und Wohnraum wurde durchbrochen und die Idee einer klassenübergreifenden Siedlung verwirklicht. Arbeiter, Angestellte und Beamte lebten hier zusammen. Die Planung und Bebauung der Gartenstadt für 16.000 Menschen wurde einem auswärtigen Architekten übertragen: Georg Metzendorf aus dem hessischen Bensheim.
Die topografische Lage der Siedlung auf einer Hochebene mit seitlich begrenzenden tiefen Tälern hat nicht nur Straßenführung und Anordnung der Häuser beeinflusst, sondern ist auch für den geschlossenen Charakter der Siedlung verantwortlich. Hinter dem Torbogenhaus liegt der repräsentativste Teil der Siedlung an der Steilen Straße. Diese malerische Idylle der von Giebelhäusern gesäumten und gebogenen Straße wurde am 8. August 1912 von Kaiser Wilhelm II. anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Firma Krupp besichtigt. Bei den Häusern handelt es sich meist um ein- bis zweigeschossige Putzbauten. Türen, Walm- und Giebeldächer, Außenläden und Fenster sind abwechselungsreich gestaltet, die Häuser treten mal vor und mal zurück, wie in einer alten dörflichen Siedlung. Der Kleine Markt wird von Laubenganghäusern gesäumt, an seiner Stirnseite befindet sich das Gebäude der ehemaligen kruppschen Konsumanstalt, heute ein Supermarkt. Zwischen den Häusern der ersten Bauabschnitte am steilen Nordhang und der weiteren Bebauung im südlichen Teil seit 1913 bis Ende der zwanziger Jahre lässt sich eine Stilveränderung von romantischer, individueller Bauweise zu einer stärkeren Versachlichung und Vereinfachung feststellen.
Die Wohnungen der Margarethenhöhe waren für ihre Zeit sehr komfortabel ausgestattet. Sie verfügten neben Wohnküche und Spülküche über Kachelofenheizung, Badeeinrichtung und Wasserklosetts. Hinter den Häusern befinden sich Gärten. Seit 1991 gibt es eine vom Ruhrlandmuseum eingerichtete Museumswohnung in der Stensstraße 25, die auf Anfrage besichtigt werden kann.
Daß wir die Margarethenhöhe noch in dieser ursprünglichen Gestalt besichtigen können, verdanken wir der Tatsache, daß nach dem 2. Weltkrieg beschlossen wurde, die Häuser in ihrer historischen Form wiederaufzubauen. Im 2. Weltkrieg wurde die Margarethenhöhe, die in der Einflugschneise der Bomber auf das Krupp Werksgelände lag, stark zerstört. 44 Prozent der Wohnungen waren unbewohnbar. Der Wiederaufbau war 1955 abgeschlossen.
Nach 1957 wurde auf dem 1937 von Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach gestifteten zusätzlichen Gelände zwischen der Sommerburg-, Lührmann- und Norbertstraße die Siedlung Margarethenhöhe II gebaut. Hier setzten sich allerdings die städtebaulichen Vorstellungen der 60er und 70er Jahre mit mehrgeschossigen Wohnblocks durch. Trotz späterer Verschönerungsarbeiten kann sich die Margarethenhöhe II mit ihrem älteren Vorbild nicht messen.