Siedlung Brandenbusch
Die Siedlung Brandenbusch in der Nachbarschaft der Villa Hügel hatte Friedrich Alfred Krupp seit 1895 für einen Teil des Hügelpersonals im nördlichsten Hügelbereich bauen lassen. Sie steht zwar in der Tradition der Kruppschen Arbeitersiedlungen, ist jedoch nicht wie diese als Wohlfahrtseinrichtung und im Sinne der Vorbeugung gegen soziale Unruhen zu sehen, da hier nur Personal aus dem Dienstleistungsbereich des Hügels wohnhaft war. Die Siedlung Brandenbusch als Wohnsiedlung des Hügelpersonals erfüllte vielmehr eine praktische Funktion, da das Personal hier nah und abrufbar, aber dennoch "unsichtbar" untergebracht war.
Der erste Bauabschnitt umfaßte sechs verschiedene Wohnhaussysteme, die der Architekt Marx von der Kruppschen Bauverwaltung Hügel entworfen hatte. Diese Siedlung war bescheidener und dörflicher in der Bauweise, im Stil und in der Ausstattung als die 1909 entstandene Margarethenhöhe, wies dennoch bereits auf die Idee der Gartenstadt hin: Wohnen und Arbeiten außerhalb der Stadt in einer ländlichen, in sich autonomen Siedlung. So erhielt die Siedlung Brandenbusch auch zentrale Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Dampfwäscherei, ein Spritzenhaus und eine Räucherkammer sowie ein Arbeiterlogierhaus für 24 Arbeiter.
Die harmonische Ausstrahlung der Siedlung erschließt sich am besten während eines Spazierganges durch die ruhigen Straßen. Die mit Sichtfachwerk ausgestatteten Häuser, die auch heute noch in ihrem pittoresken Stil zu bewundern sind, bestehen aus ein bis zwei Etagen und Zwischengeschossen und sind mit Kellern und Dachböden ausgestattet. Nach 1902 wurde der symmetrische Baustil durchbrochen und es kamen Häuser mit asymmetrischen Elementen der modernen Landhausarchitektur an den Fassaden hinzu.
Die Rangordnung der auf dem Hügel wohnhaften Bediensteten zeigte sich nicht im Baustil, sondern vielmehr in der Größe der Wohn- und Gartenflächen. Zusätzlich erhielten in der Hierarchie hochstehende Bedienstete das Privileg, auch den Hügelpark und einen der Schlittschuhteiche zu benutzen. Das angrenzende Wäldchen war als gemeinsames Erholungsgebiet für alle Einwohner mit Wegen und Ruhesitzen vorgesehen und lädt auch heute noch zu einem Spaziergang ein.
Die Evangelischen Kirche der Siedlung in der Eckbertstraße ist eine kleine Saalkirche mit Holz-Tonnengewölbe aus dem Jahre 1906. Sie fügt sich sehr gut in den Baustil der Siedlung ein. Ein moderner Übergang zum angrenzenden Gemeindehaus ist harmonisch an die alte Architektur angepaßt worden. Im Innenraum der Kirche sind noch auf der linken Seite die Familienbänke der Krupps zu sehen, die mit den drei Ringen gekennzeichnet sind.
Am Ende der Eckbertstraße biegen wir links in die Straße Am Tann ein und sehen, etwas versteckt, auf der rechten und linken Seite einen Teil der Trinkwasseranlage der Firma Krupp. Hierher, auf die Bredeneyer Höhe, wurde das Wasser aus dem Wolfsbachtal gepumpt, um es dann zur Villa Hügel und in die Wohnsiedlungen bzw. zur Gußstahlfabrik weiterzuleiten.