Villa Hügel
Die Geschichte der Villa Hügel begann im Jahre 1864, als Alfred Krupp das Landgut Klosterbuschhof bei Bredeney mit den umliegenden Ländereien erwarb. Hoch über der Ruhr, im Süden der Stadt gelegen, waren für Alfred Krupp nicht nur die wunderschöne Aussicht, sondern auch die gute Luft und die Ruhe ausschlaggebend für die Entscheidung zum Erwerb des Klosterbuschhofs. Während die Familie zunächst im umgestalteten Gutshaus des Klosterbuschhofs unterkam, plante Alfred Krupp den Neubau des Familiensitzes.
Das neue Wohnhaus, das am 10. Januar 1873 von Alfred und Bertha Krupp mit ihrem Sohn Friedrich Alfred bezogen wurde, verfügte über gewaltige Ausmaße: 269 Räume mit insgesamt 8100 qm, davon 103 Hauptwohnräume mit 4500 qm. Allein die beiden großen Hallen im Erd- und Hauptgeschoß, um die herum sich die Wohn- und Aufenthaltsräume gruppierten, maßen jeweils 432 qm. Dabei befanden sich die offiziellen Gesellschaftsräume im Erdgeschoss und die privaten Salons und Schlafräume im ersten Stockwerk. Die einzigartige Dachkonstruktion, das weithin sichtbare Belvedere, diente dazu, die fensterlose obere Halle mit Licht zu versorgen. Im Dachgeschoss waren die Dienstboten untergebracht und der Keller beherbergte die Küche sowie die Vorrats- und Wirtschaftsräume. Das Innere des Hauses wurde dem Geschmack Alfred Krupps entsprechend luftig und hell ausgestattet.
Nach dem Tod Alfred Krupps, zogen hier Friedrich Alfred und Margarethe Krupp mit ihren beiden kleinen Töchtern Bertha und Barbara ein. Die früheren Speiseräume im Erdgeschoss auf der Gartenseite wurden in eine mit üppiger Holzausstattung versehene Bibliothek umgestaltet. Kassettierte Holzdecken, Gemälde, gepolsterte Sitzgruppen, Blumenschmuck und wuchtige Möbel lösten den schlichten Charakter der Innengestaltung ab.
Die nächste Generation der Familie, Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, kaufte weitere Gemälde, Möbel und Wandteppiche hinzu, ließ eine Orgel auf der nördlichen Empore der oberen Halle einbauen und versah die obere und untere Halle mit einer kassettierten Holzdecke. Im Keller wurde ein im Jugendstil gestaltetes Schwimmbad eingebaut. Für die zahlreichen Besucher des "Hügels" benötigte man daher ein separates Gästehaus, das zwischen 1914 und 1919 entstand und heute Sitz der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist.
Obwohl nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr als Wohnhaus benutzt, gewann die Villa Hügel im Verlaufe der 1950er und 1960er Jahre wachsende Bedeutung als Identifikationsort für das Unternehmen. So wurden hier die Jubilarfeiern begangen, hochrangige, internationale Besucher empfangen, 1961 das große 150jährige Firmenjubiläum gefeiert und in jüngerer Zeit die Bilanzpressekonferenzen des Konzerns abgehalten.
Der 1954 auf Anregung von Berthold Beitz gegründete gemeinnützige Hügel e.V. sorgte mit seinen Kunstausstellungen dafür, dass sich die Villa Hügel zu einem Zentrum der Kunst und Kultur entwickelte, das weit über das Ruhrgebiet hinaus hohes Ansehen genießt. 1984 gründete Berthold Beitz persönlich die Kulturstiftung Ruhr, die fortan an die Stelle des Hügel e.V. trat und gemeinsam mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung Projekte zur Geschichte und Präsentation des Ruhrgebiets förderte sowie die Tradition der hochkarätigen, internationalen Kunstausstellungen fortsetzte. Große Publikumserfolge waren etwa die Ausstellungen "Barock in Dresden (1986) und Brueghel-Breughel (1997).
Seit 1968 wird die Villa Hügel auch für repräsentative Veranstaltungen der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung genutzt. Hierzu gehören die Verleihungen der von ihr gestifteten Wissenschaftspreise und die Treffen der Stipendiaten der zahlreichen internationalen Stipendienprogrammen der Stiftung. Die obere Halle des großen Hauses dient zudem als Konzertsaal für das Folkwang Kammerorchester und andere namhafte Orchester. Im Kleinen Haus informieren zwei ständige Ausstellungen über die Geschichte des Unternehmens und der Familie Krupp sowie die umfassende Fördertätigkeit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Hier befindet sich außerdem das Historische Archiv Krupp. Seit 1986 steht die Villa Hügel unter Denkmalschutz.