Zeche Vereinigte Helene-Amalie
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Wer heute die ehemalige Zeche Helene-Amalie, benannt nach Helene-Amalie-Krupp (1732 - 1810) aufsucht, findet Tagesanlagen aus den 1930er Jahren vor. So wurde das Verwaltungs- gebäude der Betriebsgesellschaft Friedrich Krupp Bergwerke AG wurde 1927 von Prof. Edmund Körner gebaut. Dieser war auch der Architekt der Neuen Synagoge in Essen und des Hauses der Technik gegenüber dem Hauptbahnhof. Am Eingang des Verwaltungsgebäudes befinden sich vier Reliefs aus dem Jahr 1935. Sie stellen den Ablauf eines Tages dar und spiegeln das Kunstideal des 3. Reiches wider.
Kein bauliches Dokument deutet aber darauf hin, dass die Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände einer der frühesten Mergelzechen des Reviers stehen, auf dem bereits 1843/44 die erste Kohle gehoben wurde. Mit einer Kokerei ausgestattet und gegründet von Gewerken u.a. aus der Hüttenindustrie, bestanden von Anfang an Verbindungen zu diesem Industriezweig, die 1921 zu einer Interessengemeinschaft mit der Firma Krupp und 1927 zu einer Übernahme durch sie führte.
Zu diesem Zeitpunkt bestand die Anlage in Altendorf aus mehreren Schächten: 1850 war Amalie II als Hauptförderschacht abgeteuft worden, 1904 Förderschacht Marie und 1922 der Wetterschacht Barbara. Im Zuge der Rationalisierungen in den 1920er Jahren beschloss die Firma Krupp die überalterten Tagesanlagen zu ersetzen, realisiert wurde dieses Vorhaben aber erst in den 1930er Jahren. Der Bonner Architekt Christian Bauer entwarf Gebäude in Stahlkonstruktion, wie sie in den 1920er Jahren entwickelt worden waren, und verblendete sie mit vorgehängten Backsteinwänden. Die Fenster wurden zu horizontalen und vertikalen Bändern zusammengefasst - sehr zum Missfallen der Machthaber des NS-Staates, die diese Architektur ablehnten. Nach Stilllegung der Schachtanlage 1968 wurden die Aufbereitungsanlagen abgerissen, die anderen Bauten sind weitgehend erhalten. Auch zwei Fördergerüste stehen noch, eines davon ein zweigeschossiges deutsches Strebengerüst in Vollwandbauweise über Schacht Amalie (1936). Der hohe Turm, der irrtümlich oft als Förderturm bezeichnet wird, beherbergte einen Wasserbehälter und eine Werkstatt.
Die Zeche wurde nach Helene-Amalie Krupp (1732 – 1810) benannt. Sie stammte aus der wohlhabenden Essener Familie Ascherfeld und war mit dem angesehenen Kaufmann Friedrich Jodocus Krupp (1706 – 1757) verheiratet. Nach dessen Tod übernahm sie die Leitung des Handelsgeschäftes und baute es mit viel unternehmerischem Gespür weiter aus. Sie entwickelte sowohl im Handelsbereich als auch auf industriellem Sektor umfangreiche geschäftliche Aktivitäten, die bedeutend für den Aufstieg des Unternehmens Krupp im 19. Jahrhundert waren. Über Jahre vermehrte sie den ererbten Liegenschaftsbesitz der Familie. Sie kaufte eine Schnupftabaksmühle, ersteigerte Bergwerkskuxe und Zechen und erwarb 1800 die Gutehoffnungshütte in Sterkrade bei Oberhausen. Ihren Sohn Peter Friedrich Wilhelm (1753 – 1795), der sie bei der Führung der Geschäfte unterstützt hatte, überlebte sie. Helene-Amalie Krupp wirkte noch bestimmend auf ihren Enkel Friedrich (1787 – 1826), den Gründer der Guss-Stahlfabrik, und seine frühe geschäftliche Tätigkeit ein. Helene-Amalie Krupp war die erste von drei Krupp'schen Frauen, die – früh verwitwet – ihre Ehemänner um viele Jahrzehnte überlebten und unternehmerisch sehr aktiv waren.