Zeche Unser Fritz 1/4
Von den dreizehn Malakowtürmen, die im Ruhrgebiet erhalten werden konnten und heute als wichtige Dokumente der Bergbaugeschichte unter Denkmalschutz stehen, erinnert einer an die ehemalige Zeche Unser Fritz in Herne-Wanne. Er ist auf dem ehemaligen Betriebsgelände der einzige verbliebene bauliche Zeugen der Anlage. Bei der Namensgebung der Anlage stand der dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern entstammende Friedrich III. (1831 - 1888) Pate, der nur 99 Tage als deutscher Kaiser und König von Preußen regiert hat. Schon als Kronprinz war er wegen seiner liberalen Einstellung allgemein beliebt gewesen und wurde deshalb "Unser Fritz" genannt.
In der Emscherniederung, nördlich der Zechen aus der ersten Gründungsphase, gründeten der Kaufmann Friedrich Grillo, der Bankier Ludwig von Born und der Bergwerksfachmann Wilhelm Hagedorn 1871 die Zeche und legten den Schacht 1 (Sophie) an, über dem der Malakowturm errichtet wurde. Mit seinen vieleckigen Treppentürmen, die als Fluchtwege dienten, und den Strebepfeilern gleicht er dem Malakowturm des Bergwerks Ewald in Herten. Wie zu dieser Zeit üblich, war er im Innern mit einer Stahlkonstruktion für die Seilscheibengerüste und Verstrebungen ausgestattet. 1890 wurde über dem alten Malakowturm am Schacht 1 ein eisernes Fördergerüst errichtet und zugleich eine leistungsstarke Fördermaschine aufgestellt. Diese auffällige Konstruktion wurde erst 1970 abgerissen und der Turm mit einem neuen Dach versehen. Zwischen 1908 und 1910 wurde der Doppelschacht 4 abgeteuft. Schacht 1 diente nun als Wetterschacht. 1911 entstanden noch eine Kokerei mit zwei Batterien zu je 60 Koppers-Regenerativöfen einschließlich Nebengewinnungsanlagen und 1913 eine Benzolfabrik. Am 1914 fertiggestellten Rhein-Herne-Kanal wurde ein eigener Hafen angelegt und durch eine Werksbahn mit der Verladung auf 1/4 verbunden.
Im Zuge der Wirtschaftskrise und daraufhin erfolgenden Rationalisierungsmaßnahmen Mitte der 1920er Jahre wurde zunächst der Betrieb der Kokerei eingestellt, am 30. November 1928 folgte die Stilllegung des gesamten Grubenbetriebes. Das Grubenfeld kam 1929 an die Schachtanlage Consolidation in Gelsenkirchen. 1938 erfolgte die Zusammenfassung zu einer Betriebseinheit. Die Schächte der Zeche Unser Fritz dienten fortan nur zur Seilfahrt, zum Bergeversatz und zur Wetterführung. Nach Gründung der Ruhrkohle AG wurden die Schachtanlagen Consolidation/Unser Fritz und Pluto 1970 zu einer Werksdirektion zusammengefasst. Die letzte Seilfahrt fand am 2. Oktober 1993 statt. 1995 wurden die Schächte verfüllt.
Als einzige noch erhaltene Anlage auf dem Gelände Unser Fritz 1/4 befindet sich der Malakowturm heute in der Obhut der Dortmunder Stiftung Industriedenkmalpfege und Geschichtskultur. Auf dem brachliegendem Gelände soll in Zukunft eine gewerbliche Nutzfläche entstehen.