Ein idyllisch gelegenes Fachwerkgebäude am Teich des Elpenbaches in Oberhausen: Schwerindustrie vermutet man hier nicht und doch steht man vor den Relikten der ersten Eisenhütte im Ruhrgebiet. 1758 wurde sie in einer damals dünn besiedelten ländlichen Gegend in Betrieb genommen. Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen stieß Freiherr Franz von der Wenge, Domkapitular zu Münster, um 1740 auf die Vorkommen an Raseneisenstein in der Gegend um Osterfeld. 1753 erhielt er vom Kölner Erzbischof als Landesherrn die Erlaubnis, ein Hüttenwerk zu errichten.
Von Beginn an erzeugte die St. Antony-Hütte nicht nur Roheisen, sondern auch Fertigprodukte aus Eisenguß. Neben Maschinenteilen und Haushaltswaren wurden Kanonenkugeln und andere Kriegsgüter gegossen. Inzwischen waren in der Umgebung noch zwei weitere Hütten entstanden, die mit der St. Antony-Hütte um Erz, Holzkohle und Absatzmärkte konkurrierten. Daraus ergaben sich Nachteile für alle Beteiligten. Nach einigen Wechseln in den Besitz- und Pachtverhältnissen kam es 1810 zum Zusammenschluß in der "Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel und Huyssen". Damit war die Grundlage für das spätere Weltunternehmen Gutehoffnungshütte gelegt. Die Firmenleitung übernahm Gottlob Jacobi, seit 1797 Hüttenmeister und Leiter der St. Antony-Hütte. Die Roheisenerzeugung auf der St. Antony-Hütte wurde 1820 eingestellt und von dem Werk in Sterkrade übernommen. Nach dem Umbau der Hütte zur Papierfabrik führten Munitionsaufträge der preußischen Heeresverwaltung dazu, dass der Hochofenbetrieb 1827 wieder aufgenommen wurde und das Werk einen neuen Aufschwung erlebte. Doch 1843 erlosch der Hochofen für immer. Im Jahre 1877 stellte auch die Gießerei den Betrieb ein.
Erhalten sind neben dem Hüttenteich das ehemalige Kontorgebäude und das Wohnhaus des Hüttenleiters aus dem Jahre 1758 mit einem Anbau für Waschküche und Stall. Die "Wiege der Ruhrindustrie" gehört heute zum Schauplatz Oberhausen des LVR-Industriemuseums. In dem im Jahre 2008 neu errichteten Museum erzählt eine außer- gewöhnliche Konzeption von den Anfängen der Eisen- und Stahlindustrie, von bedeutenden Innovationen und vom harten Alltag der Menschen. Zum Repertoire der Ausstellung gehören eine originelle Farbgebung der Räume, ein Modell der rekonstruierten Hütte und die Inszenierung zentraler Objekte der Eisenindustrie. Audiovisuelle Medien lassen die Hauptakteure der Geschichte zu Wort kommen. Das rekonstruierte Biedermeierzimmer, in dem wichtige Vertragsabschlüsse getätigt wurden, und der schlichte Wohnraum einer Arbeiterfamilie dokumentieren die unterschiedlichen Lebenswelten und das direkte Nebeneinander von Luxus und Arbeit.