Edelstahlfabrik Lohmann
Die Industrialisierung Wittens ist in besonderem Maße mit dem Namn der Familie Lohmann verbunden. 1790 gründete Johann Friedrich Lohmann auf Gut Berge zu Witten eine "Stahlfabrik". Zusammen mit seinem Sohn gelang es ihm nach schwierigen Versuchen in den Jahren 1809 bis 1812 erstmals in Deutschland, einen brauchbaren Tiegelgussstahl herzustellen. Bis 1806, dem Jahr der Verhängung der Kontinentalsperre, hatte England eine Monopolstellung in der Gussstahlerzeugung und im Export nach Kontinentaleuropa besessen. Der in Witten erzeugte Tiegelgussstahl übertraf im Laufe der Zeit sogar das englische Produkt an Qualität.
Nach dem Tod von Friedrich Lohmann jun. 1837 wurde dessen Witwe Helene (geb. Berger) Alleinerbin und war damit u.a. an folgenden Unternehmen beteiligt: An 69 Bergwerken, dem Gut Berge und seiner Landwirtschaft, am Getreidehandel, einer Mühle an der Ruhr, einer Branntweinbrennerei, und der Stahl- und Feilenfabrik in Witten. Sie leitete über lange Jahre hinweg bis zur eigenen Erbregelung 1854 die Geschicke der Firmen.
Die Verlagerung der Produktion nach Witten-Herbede begann 1859 mit dem Erwerb von Ländereien, einer Kornmühle und der Wassergerechtsame sowie der Errichtung und Inbetriebnahme eines neuen Walz- und Hammerwerkes. Reste der damaligen Fabrikationsgebäude sind heute noch erhalten bzw. in neu erstellte Gebäude integriert. 1939 wurde die Fabrikation am alten Standort in Witten endgültig aufgegeben. Heute umfaßt das Lieferprogramm der Firma vor allem warmgewalzte und geschmiedete Werkzeug-, Schnellarbeits- und Sonderstähle für den Werkzeugbau, eine umfangreiche Palette von hochwertigem Edelstahlformguss sowie pulvermetallurgisch erzeugte Werkzeug- und Schnellarbeitsstähle.