Textilfabrik J. Caspar Troost
Man hat es wohl vergessen, das Gebäude der ehemaligen Baumwollfabrik, das heute ein Wohnhaus ist. Nur der Name der nahegelegenen Troost- straße ist noch geblieben. Und doch hat sich hier Geschichtsträchtiges abge- spielt, denn Johannes Caspar Troost kann als Industrie- pionier des deutschsprachigen Raumes bezeichnet werden. Bereits 1791 gründete er in Mülheim eine mechanische Baumwollspinnerei. Es war die zweite Fabrik nach englischem Vorbild auf dem Kontinent.
Die Maschinen liefen durch Energie aus Wasserkraft. Dafür wurde eigens ein Kanal von der Ruhr an der Fabrik entlang geführt. Der Stauteich dieses Kanals ist noch heute zu sehen. Er liegt unmittelbar vor der Thyssen-Villa.
40 - 50 Mädchen im Alter von 10 - 13 Jahren arbeiteten hier täglich 10 - 12 Stunden bei extremem Lärm und Staub. Kinderarbeit galt damals allerdings keineswegs als verwerflich. Im Gegenteil, sie war ein geeignetes Erziehungsmittel, um den Sprösslingen Fleiß, Ordnung und Disziplin beizubringen und nebenbei die Eltern auch noch finanziell zu entlasten.
Die Arbeitsteilung war eindeutig: Männer beaufsichtigten die teuren Maschinen, Kinder und Frauen wechselten die leeren Spulen aus, drehten gerissene Fäden an oder krochen unter die Maschinen, um Baumwollabfälle aufzusammeln.
Etwa hundert Jahre hatte die Fabrik Bestand. Am Ende versuchte der legendäre Maschinenbauer Thyssen & Co., den Betrieb zu sanieren, aber auch das gelang nicht mehr. Nach der Stillegung baute Josef Thyssen auf dem Grundstück wenige Meter weiter das Wohnhaus für sich und seine Familie.