Nacht- und Tagpanorama, Castrop-Rauxel, Dortmund, Herne, Bochum
Von der Bergehalde Schwerin aus erlebt der Betrachter ein beeindruckendes Tagpanorama der Industriekultur. Es war die Idee von Georg Kiefer, dem Tagpanorama ein Nachtpanorama hinzuzufügen, in dem die Einzigartigkeit dieser industriegeschichtlichen Landschaft rund um die Uhr wahrnehmbar wird: "Was unter Tage mit Arbeit ans Licht geschafft wurde, was als Ziel hatte, Wärme zu erzeugen und Transformationsprozesse einzuleiten, Kohle und Feuer, auch Erze in Eisen und Stahl zu verwandeln - 24 Stunden Schichtarbeit in den Werkstätten des Reviers - Menschliche Energie ersetzt das Sonnenlicht, um die Nacht zu erleuchten - Nicht brauchbares Abraumgestein wurde zur Halde geschichtet - Aber mit der Zeit holt sich die Naturenergie mit Sonnenlicht das Vergessene wieder zurück und überwuchert die künstlichen Berge." Eine regionale Lichtskulptur schwebte Georg Kiefer vor, die er gemeinsam mit Manfred Walz entwickelte. Dafür galt es, Fixpunkte in der landschaftsbestimmenden Industriesilhouette zu finden, die nun mit Hilfe von Lichtinszenierungen in der Leitfarbe Blau sowohl in Nah- als auch Fernsicht als besonders bedeutsame Gruppe in einem räumlichen Zusammenhang erscheinen.
Zur Auswahl kamen prägnante Gebäude der Umgebung, deren Lichtinszenierung die vergangene Industrieepoche und zugleich das neue Selbstverständnis der Region dokumentieren. In Rückbesinnung auf die geschichtliche Entwicklung gehören dazu die drei Fördertürme der ehemaligen Schachtanlage ERIN: neben ERIN 1,2,7 und TEUTOBURGIA auch ERIN 3 mit seiner außergewöhnlichen "Hammerkopf"-Architektur, um 1920 erbaut. Hinzu kamen die Gelsenwasser-Hochbehälter in Bochum-Gerthe zum Thema Wasserversorgung sowie der Doppel-Faulgasbehälter der Emschergenossenschaft in Dortmund-Deusen für den Bereich Abwasserreinigung. Die Fördertürme zeigen das Signet "Förderhaus" in jeweils anderer an regionale Industriegeschichte erinnernder Inszenierung: mit "aufgerolltem Förderseil", als "Haus über dem Wald" und als "Lichtstube im KunstWald Teutoburgia". Die Versorgungsbehälter wiederum erscheinen als blaue pralle Großvolumen. So entsteht ein nächtliches Panorama voll poetischer Energie: "Lichter der Großstadt".